Geschwister, ich
glaube, dass der Herr seit einiger Zeit dabei ist, seine Gemeinde
zu erneuern. Sie so umzugestalten, dass er in uns und durch uns
sichtbar wird. In meinem Beitrag „Ein Bild der Lehre“ habe ich ja
schon berichtet, wie ich nach vielen Jahren als Christ zu der
Erkenntnis gelangt bin, dass ich Jesus eigentlich nicht wirklich
persönlich kenne. Ich glaube, dass es der Heilige Geist war, der
mich überführt hat. Daraus entstand ein Hunger nach einer engeren,
intimen Beziehung zum Vater und zum Herrn Jesus Christus. Ich bin
sozusagen umgekehrt, nicht mal von Sünden, sondern von einer
Haltung, mit der ich mich mit einem eigentlich gottfernen Leben
zufrieden gegeben habe. Er ist dann angefangen, mich durch seinen
Geist zu lehren. Über Gerechtigkeit, indem er mich wegen meines
latenten Sünderbewusstseins überführt hat. Über seine Treue und
ständige Gegenwart, seine Liebe und vor allem, dass ich völlig
außerstande bin, jemals seinen kompletten Willen zu tun. Das kann
nur Jesus durch seinen Geist in uns bewerkstelligen. Kurz: Ich
konnte beginnen, einen Lebensweg zu gehen in sich vertiefender
Gemeinschaft mit Jesus, frei von jeder religiösen Anstrengung,
denn er wirkt das Wollen und Vollbringen in uns. Heute möchte ich
nichts mehr für Jesus tun, nicht einmal mit ihm, sondern er tut
Dinge durch mich, indem er mir seine Herzensangelegenheiten auf
mein Herz legt, damit ich aus seinem und meinem Herzen handle. Na,
ja, jedenfalls bin ich auf diesem Weg und bemühe mich, darauf zu
bleiben. Aber es ist ein guter Weg, ein wahrer Weg verbundem mit
ihm.
Das hat der Herr bei mir
angestoßen und, wie ich merke, auch bei einzelnen anderen
Christen. Ich galube, dass er möchte, dass wir alle zu ihm
umkehren. Wie der Prophet Hosea es ausgedrückt hat: „Lasst uns
zum Herrn umklehren. Lasst uns ihn erkennen. Lasst uns seiner
Erkenntnis nachjagen!“ Bislang scheint es mir noch etliche
Gemeinden zu geben, die wie die in Ephesus oder in Laodizea in
der Offenbarunf des Johannes leben. Die Epheser waren ja
bekanntlich recht aktiv, haben also viel für Jesus getan, aber
nicht in einer Liebesbeziehung zu ihm. Und die in Laodizea haben
ihren religiösen Ablauf gehabt und gedacht, das ist es jetzt,
mehr brauchen wir nicht. Denen hat der Herr zu einer
„Augensalbe“ geraten. Sie sollten gewahr werden, wie ihr
derzeitiger Zustand ist: arm und blind und bloß.
Umkehr ist offenbar bei beiden
Gemeinden angesagt. Wozu umkehren: zu einer leidenschaftlichen
Liebesbeziehung mit Jesus Christus, der Quelle allen Lebens, der
alles in allem ist.
Wie er sich das vorgestellt hat,
drückt Jesus selber in seinem sogenannten hohepriesterlichen
Gebet in Johannes 17 aus. Dort bittet Jesus den Vater für alle,
die an ihn glauben, „damit sie alle eins seien, wie du, Vater,
in mir und ich in dir, dass auch sie in uns eins seien, damit
die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.“ Hier sehen wir, was
das Evangelium Jesu Christi im Kern bedeutet. Es ist natürlich
ewiges Leben. Aber insbesondere die Wiederherstellung unseres
Einsseins mit Gott und in ihm auch miteinander als göttliche
Gemeinschaft. Daran soll übrigens die Welt Jesus als Sohn Gottes
erkennen. An einer Gemeinschaft, die in inniger
Herzensverbundenheit mit Jesus lebt und durch die der Herr sich
selbst sichtbar offenbaren kann. Nebenbei gesagt sähen
vermutlich auch unsere evangelistischen Bemühungen anders aus,
zumindest was unsere Motivation betrifft. Es ist sicher ein
großer Unterschied, ob wir meinen, etwas für Jesus tun zu müssen
oder ob seine Liebe in uns uns treibt.
Ich behaupte nicht, selbst schon
sehr weit auf diesem Weg zu sein. Aber ich strebe an, das
Einssein mit Gott immer mehr zu ergreifen, denn er ist die
Quelle allen Lebens, nur in ihm erleben wir Sinn und Erfüllung.
Ich glaube, dass der Herr im Moment dabei ist, diesen Weg
stärker zu fokussieren. Durch den Propheten Haggai fordert Gott
das Volk Israel dazu auf, seine bisherigen Wege genau zu
überprüfen. Der Einstieg ist also die Wahrnehmung unseres recht
suboptimalen Status Quo, damit wir wieder Hunger nach Gott haben
können. Der Heilige Geist zeigt das bereits etlichen Gläubigen.
Und jeder, der bereit ist, wird dabei sein und vom Herrn weiter
geleitet werden auf seinem Weg.