Grundlagen des biblischen Glaubens
Teil 2
Einleitung
Im ersten Teil dieser Reihe haben wir das Fundament gelegt: Was ist das Evangelium? Warum brauchen wir Erlösung? Und wie kommen wir durch Glauben in eine lebendige Beziehung mit Gott?
Heute stellen wir die nächste, ganz natürliche Frage – dieselbe Frage, die die Menschen in Jerusalem an jenem Pfingstfest an Petrus stellten, als sie das Evangelium gehört hatten: Was sollen wir tun?
Das ist keine Frage der Gesetzlichkeit. Es ist die Frage eines Menschen, der etwas Echtes erlebt hat und weiß: Das darf nicht einfach so weitergehen wie bisher. Auf diese Frage gibt uns die Bibel drei konkrete Antworten – und die wollen wir heute gemeinsam anschauen.
Rückblick: Was hat uns verändert?
Petrus predigt am Pfingsttag. Die Menschen hören die Botschaft von Jesus Christus – seiner Auferstehung, seiner Herrschaft – und es trifft sie mitten ins Herz. Dann stellen sie diese Frage:
Drei Dinge nennt Petrus: Buße – Taufe – Gabe des Heiligen Geistes. Die Buße, die Umkehr zu Gott, haben wir bereits vollzogen: durch Glauben und das Bekenntnis, Jesus als Herrn anzunehmen. Was folgt daraus? Die Taufe und der Heilige Geist.
Teil 1: Die Taufe
1a. Warum überhaupt taufen lassen?
Man könnte fragen: Ist der Glaube nicht genug? Brauche ich wirklich die Taufe? Diese Frage ist berechtigt – und die Antwort der Bibel ist klar: Die Taufe ist kein Zusatzprogramm für Fortgeschrittene. Sie ist der erste sichtbare, öffentliche Schritt des Gehorsams.
Paulus beschreibt die Taufe nicht als bloßen Ritus, sondern als bildhaftes Geschehen von großer Tiefe:
Die Taufe ist ein Bild: Der alte Mensch stirbt – er wird unter Wasser begraben. Und ein neuer Mensch steht auf, in Neuheit des Lebens. Was im Herzen unsichtbar geschehen ist, wird in der Taufe öffentlich sichtbar gemacht.
1b. Wer kann sich taufen lassen – und wann?
Hier sagt die Bibel etwas sehr Klares: Zuerst kommt der Glaube, dann die Taufe. Die Reihenfolge ist nicht zufällig – sie ist theologisch notwendig. Man kann nicht das Absterben des alten Menschen zeichenhaft darstellen, wenn man noch gar kein Bewusstsein von Sünde und Erlösung hat.
Die Apostelgeschichte zeigt dieses Muster immer wieder:
Erst annehmen – dann taufen. Dasselbe Muster findet sich in Apg 8,12; 9,18; 16,33; 18,8; 19,5 und 22,16. Konsequenterweise bedeutet das: Die Säuglings- oder Kindertaufe, die viele von uns kennen, entspricht nicht dem biblischen Vorbild. Weil sie die Reihenfolge umkehrt: erst Taufe, dann (irgendwann) Glaube. Die Bibel zeigt es umgekehrt.
1c. Wie wird getauft – und durch wen?
Das griechische Wort für „taufen" im Neuen Testament lautet baptizein – und es bedeutet „eintauchen" oder „untertauchen". Nicht besprenkeln, nicht begießen. Die Bedeutung ist eindeutig.
Ein schlichtes, aber berührendes Beispiel finden wir in der Apostelgeschichte:
Kein aufwendiger Ritus, kein langer Vorbereitungskurs – sie kamen an Wasser, und es geschah. So klar und einfach war die Taufe für die ersten Christen.
Wer kann dich taufen? Grundsätzlich jeder bereits gläubige und getaufte Christ. Praktisch empfiehlt es sich, eine christliche Gemeinschaft zu suchen, in der die Gläubigentaufe durch Untertauchen gelebt wird. Dort solltest du auch Begleitung für deinen weiteren Glaubensweg erhalten. (Hier eine Empfehlung zu geben, ist leider recht schwierig. Es gibt sicher gute Gemeinden, aber auch eher kleinere Gruppen, in denen Christen sich versammeln, um eine echte Herzensbeziehung zu Jesus Christus zu fördern. Vielleicht findest du eine solche Gruppe in deiner Nähe, in der du erst einmal Gott als Vater und Jesus Christus als bestätigenden Freund und Erlöser kennenlernen kannst.)
Teil 2: Die Gabe des Heiligen Geistes
2a. Was ist die Gabe des Heiligen Geistes?
Wir sind nun an einem Punkt, der viele Christen überrascht – weil er in vielen Kirchen kaum gelehrt wird. Petrus nannte in seiner Pfingstpredigt nicht nur Buße und Taufe, sondern versprach auch: „Und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen."
Nun – der Heilige Geist wohnt in jedem, der gläubig geworden ist. Das ist keine Frage. Römer 8,16 sagt: Der Heilige Geist bezeugt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Aber die Apostelgeschichte zeigt uns noch etwas Weiteres: eine besondere Kraft des Heiligen Geistes, die für den geistlichen Dienst, das Bezeugen des Evangeliums und übernatürliche Geistesgaben benötigt wird.
Diese Menschen hatten geglaubt und waren getauft – und doch fehlte noch etwas. Die Apostel reisten extra an, um für sie zu beten. Das war für die Urgemeinde keine Ausnahme, sondern Praxis.
2b. Warum brauchen wir diese Kraft?
Jesus selbst sagte kurz vor seiner Himmelfahrt zu seinen Jüngern:
Diese Kraft ist nicht für eine geistliche Elite – sie ist für jeden Gläubigen bestimmt. Sie befähigt uns, freimütig von Jesus zu reden, in geistlichen Gaben zu dienen, im Gebet tief mit Gott in Verbindung zu treten und geistliche Kämpfe zu bestehen.
Mehr darüber erfährst du, wenn du möchtest, im dritten Teil dieser Reihe. Entscheide selbst -- aber wirf diesen Teil der Verheissung Gottes nicht leichtfertig beiseite.
Teil 3: Gemeinschaft – Wachsen mit anderen
Der Glaube ist zutiefst persönlich – aber er ist nicht privat. Gott hat uns nicht dazu berufen, allein zu glauben. Das zeigt uns schon das Bild des Körpers aus dem Neuen Testament: Jeder ist ein Teil – keiner kann allein das Ganze sein.
Taufe und Geistestaufe empfängst du am ehesten im Kontext einer lebendigen Gemeinde. Aber Gemeinde ist mehr als der Ort, wo du bestimmte Sakramente empfängst. Sie ist der Ort, wo du wachsen kannst.
Was passiert in einer gesunden biblischen Gemeinschaft? Du erhälst zunächst einmal durch grundlegende biblische Lehren ein möglichst solides Glaubensfundament, auf dem du dann weiter geistlich wachsen kannst. Du begegnest anderen Gläubigen, die dich auf deinem Weg begleiten. Du lernst, nicht nur zu empfangen, sondern auch zu geben -- deine Gaben einzusetzen für andere. Und du erlebst: Der Glaube trägt sich nicht allein -- er trägt uns gemeinsam.
Wo suchst du? Das ist manchmal nicht so einfach (ich habe es oben schon erwähnt). Manche zunächst ganz erfrischend anmutende Gemeinden (z.B. aus dem pfingstlich-charismatischen Bereich) neigen leider dazu, ihre Mitglieder in allerlei Aktivitäten einzubinden, aber durch Predigtbetonung und passives Zuhören eher daran zu hindern, in ihre wahre Berufung zu gelangen. Letztlich sind aber auch diese Gemeinden besser als gar keine Gemeinschaft zu haben. Ich sagte es oben schon: Wenn du eine Gruppe von Christen finden solltest, die nicht bloß fromm zusammen die Bibel lesen, beten und sich möglichst „christlich“ verhalten wollen, sondern eine echte Begegnung mit Jesus suchen und dich dabei unterstützen, wäre das wunderbar.
Schluss: Kleine Schritte – großes Leben
Wir haben heute drei nächste Schritte betrachtet: die Taufe als öffentliches Zeichen deiner Umkehr, die Gabe des Heiligen Geistes als Kraft für dein Leben mit Gott und das Leben in der Gemeinschaft mit anderen Gläubigen als Möglichkeit des Wachsens und der Zugehörigkeit.
Keiner dieser Schritte macht dich "mehr erlöst" -- die Erlösung ist vollständig in Christus. Aber jeder dieser Schritte verankert deinen Glauben tiefer, macht ihn sichtbar und befähigt dich, als Kind Gottes wirklich zu leben.
Die ersten Christen haben nicht lange überlegt -- sie haben gehandelt. Und so lädt auch dich Gott heute ein: Mach den nächsten Schritt. Lass dich taufen. Bitte um den Heiligen Geist. Suche dir eine lebendige Gemeinschaft.
Das Evangelium ist nicht nur eine Botschaft, die man einmal hört. Es ist eine Einladung in ein Leben -- ein Leben mit Gott, unter Seiner Führung, in Gemeinschaft mit Seinem Volk.
Alle Bibelstellen: Revidierte Elberfelder Bibel